Eisköniginnen

Zyklus, Menstruation, Schwangerschaft und Wechseljahre: Weil Frauen Kälte oft anders als Männer empfinden und anders reagieren, gibt es beim Eisbaden einiges zu beachten.

 

Reagiert der weibliche Körper beim Eisbaden genauso wie der männliche? Oder gelten für Frauen andere Regeln? Cold Coach Daniel Kuom nimmt diese Fragen mit Humor: „Ich bin natürlich prädestiniert, als Mann darüber zu sprechen“, sagt er lachend. „Machen wir ein bisschen Mansplaining. “ Dann teilt er die Erfahrungen seiner Klientinnen – und die decken sich mit der jungen Forschung: Frauen können genauso eisbaden wie Männer. Doch sie sollten nicht blind Programme übernehmen, die auf männliche Körper abgestimmt sind.

Frauen frieren anders

Frauen spüren Kälte oft früher und intensiver als Männer. Studien zeigen: Sie empfinden vergleichbare Kälte unangenehmer, beginnen schneller zu zittern und haben nach der Kühlung niedrigere Handtemperaturen. Auch Blutgefäße und Herz-Kreislauf-System reagieren unterschiedlich. Männer und Frauen regulieren ihre Körpertemperatur verschieden.

„Der Körper hat zwei Wege, Wärme zu erzeugen“, erklärt Daniel. „Zum einen über Fettverbrennung, zum anderen über Muskelzittern. Der männliche Körper hat tendenziell mehr Muskeln, der weibliche tendenziell mehr Fett, daher liefert das Fettgewebe und die entsprechende Fettverbrennung Energie und Wärme.” Der Unterschied besteht also in der Wärmebildung und bedeutet somit für ihn keine Einschränkung: „Frauen können genauso eisbaden wie Männer, aber nicht unbedingt auf dieselbe Weise.”

Manche Expertinnen meinen, Frauen könnten ähnliche Trainingseffekte schon bei moderateren Temperaturen von 15 bis 16 Grad erzielen. Extrem kaltes Wasser sei nicht immer nötig. Doch eine allgemeingültige „Frauentemperatur“ gibt es nicht – die Forschung ist noch uneinheitlich.

Der Zyklus beeinflusst die Belastbarkeit

Während der männliche Hormonhaushalt relativ konstant bleibt, schwankt er bei Frauen im Zyklusverlauf. Das beeinflusst Körpertemperatur, Kreislauf, Wärmeempfinden, Energie und Stresstoleranz.

Daniel rät, den Zyklus nicht zu ignorieren. Besonders in der zweiten Zyklushälfte, der Lutealphase, könne Kälte für manche Frauen belastender sein. „Und dann eher kürzer bleiben oder aussetzen. Das ist meine persönliche Empfehlung, keine feste Regel“, betont er. „Einige meiner Coachees gehen trotzdem den ganzen Zyklus über ins kalte Wasser. Was ich wichtig finde: Wie fühle ich mich 6 Stunden nach dem Eisbad? Habe ich mehr Energie oder weniger? Entsprechend würde ich wieder gehen oder lieber pausieren.“

Pauschale Ratschläge sind schwierig. Manche Frauen fühlen sich in der Lutealphase erschöpfter, andere merken kaum Unterschiede. Einige berichten sogar, dass Kälte Menstruationsbeschwerden lindert und Stimmung oder Schmerzempfinden verbessert.

 

Linderung in den Wechseljahren

Für Frauen in der Perimenopause und den Wechseljahren könnte Eisbaden besonders interessant sein. Der sinkende und schwankende Östrogenspiegel beeinflusst Temperaturregulation, Stoffwechsel, Schlaf und Stimmung.

Daniel beobachtet bei seinen Klientinnen in dieser Lebensphase oft positive Effekte. Vor allem Frauen mit Hitzewallungen berichten von Verbesserungen: „Die Ausschläge nivellieren sich. Viele sagen, es hilft ihnen sehr. “

Erste Studien liefern zwar keine eindeutigen Beweise, aber Hinweise auf mögliche Vorteile. In einer Befragung von Frauen, die regelmäßig in kaltem Wasser schwammen, berichtete fast die Hälfte von weniger Angst. Ein Drittel fühlte sich ausgeglichener und weniger reizbar. Rund 30 Prozent gaben an, dass ihre Hitzewallungen nachließen.

Neben körperlichen Effekten spielt die Psyche eine Rolle: die bewusste Entscheidung, ins kalte Wasser zu gehen, die Kontrolle über die Atmung und das Gefühl, eine bedrohliche Situation gemeistert zu haben.

Schwangerschaft: Vorsicht geboten

Beim Thema Schwangerschaft ist Daniel zurückhaltend. „Ich würde definitiv davon abraten, in der Schwangerschaft mit dem Eisbaden zu beginnen“, sagt er. Eine Schwangerschaft ist nicht der richtige Zeitpunkt, um den Körper erstmals einem starken Kältereiz auszusetzen. Wer jedoch bereits lange eisbadet, befindet sich in einer anderen Lage. Trotzdem sollte die Entscheidung nicht leichtfertig oder allein auf Basis von Internet-Tipps getroffen werden.

Führt Kälte zu Blasenentzündungen?

Viele Frauen fürchten, Kälte könnte Blasenentzündungen auslösen. Doch kaltes Wasser allein verursacht keine Infektion. „Kälte macht dich nicht krank“, stellt Daniel klar. Sie kann jedoch die Durchblutung beeinflussen und einen geschwächten Körper zusätzlich belasten. Wer erste Krankheitssymptome spürt oder bereits eine Blasenentzündung hat, sollte das Eisbad meiden.

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