Viele Haustiere machen nachts gern Radau und haben einen eigenen Rhythmus. Sollten Hund und Katze aus dem Schlafzimmer verbannt werden? Die Forschung ist uneins
Fünf Uhr morgens. Die Katze ist wach. Der Mensch nicht. Sie tapst über die Bettdecke, springt auf den Nachttisch, kratzt an der Tür oder macht lautstark klar: Zwischen ihr und dem Frühstück steht nur noch eine schlafende Person. “ Haustiere stören zwar den Schlaf, sorgen aber zugleich dafür, dass wir ihn genießen”, sagt Prof. Dr. Andrea Beetz, Expertin für die Mensch-Tier-Beziehung. „Viele Katzenbesitzer erzählen, dass ihre Tiere früher aufstehen wollen als sie selbst“, sagt die Psychologin. Eine geschlossene Schlafzimmertür löst das Problem selten. Dann wird eben an der Tür gekratzt, gerüttelt oder gemaunzt. Aus Longevity-Perspektive alles andere als ideal.
Schlaf braucht Kontinuität. Nachts wechseln wir mehrfach zwischen verschiedenen Schlafstadien. Kurze Wachphasen gehören dazu und bleiben oft unbemerkt. Häufen sich diese Unterbrechungen, fragmentiert der Schlaf. Ein Tier bietet reichlich Anlass für solche Störungen: Bewegungen, Wärme, Geräusche oder Pfoten auf der Decke.
Der Einfluss wurde mehrfach gemessen. In einer kleinen Studie trugen zwölf Frauen und ihre Hunde über zehn Nächte Bewegungssensoren. Bewegte sich der Hund, folgte oft eine Reaktion des Menschen. Dennoch berichteten die Teilnehmerinnen selten, dass ihre Hunde ihren Schlaf gestört hätten.
Eine Übersichtsarbeit zur gemeinsamen Nachtruhe von Menschen, Partnern, Kindern und Haustieren zeichnet ein ähnliches Bild: Objektive Schlafmessungen fallen beim Teilen des Bettes oft schlechter aus, während die Beteiligten ihren Schlaf subjektiv als besser empfinden. Psychologische Geborgenheit und physiologische Ruhe erzählen offenbar nicht immer dieselbe Geschichte. „Objektiv ist der Schlaf mit Tier wohl schlechter“, fasst Beetz die Forschung zusammen. „Aber subjektiv sagen die Leute: Ich finde es schön, wenn das Tier bei mir schläft.“
Das Bett wird so zum Versuchslabor für eine große Frage: Was meinen wir eigentlich, wenn wir von gutem Schlaf sprechen? Aus Sicht der klassischen Schlafhygiene scheint die Antwort klar. Ein ruhiges, dunkles, kühles Schlafzimmer minimiert Störreize. Wer jede Nacht mehrfach vom Tier geweckt wird und tagsüber erschöpft ist, profitiert wenig davon, dass die Ursache besonders flauschig ist.
Doch Schlaf ist mehr als ein mechanischer Vorgang. Sicherheit, Entspannung und emotionale Nähe beeinflussen, wie leicht wir einschlafen und wie wir die Nacht erleben. In einer Untersuchung der Mayo Clinic bezeichneten nur 20 Prozent der befragten Tierhalter ihre Tiere als störend; 41 Prozent empfanden sie als unauffällig oder sogar hilfreich für ihren Schlaf.
Eine weitere Mayo-Studie stattete 40 Erwachsene und ihre Hunde nachts mit Aktivitätssensoren aus. Ein Hund im Schlafzimmer beeinträchtigte die Schlafeffizienz kaum. Lag er jedoch direkt auf dem Bett, sank die Effizienz im Vergleich zu einem Hund, der nur im Raum schlief.
Eine große US-Studie mit 1.591 Erwachsenen fand 2024 bei Menschen, die mit Haustieren schliefen, eine schlechter wahrgenommene Schlafqualität und stärkere Insomnie-Symptome. Interessanterweise betraf dies vor allem Hundebesitzer, weniger Katzenhalter. Als Querschnittsstudie zeigt die Untersuchung jedoch nur Zusammenhänge, ohne zu beweisen, dass das Tier die Schlafprobleme verursacht.
Beetz plädiert für individuelle Lösungen. „Wenn jemand schlecht schläft und die Katze ihn nachts eineinhalb Stunden wachhält, sollte man das ändern.“ Nähe müsse nicht zwangsläufig im Bett entstehen. „Wenn das Tier nachts nicht kuscheln will, kann man die Kuscheleinheiten abends auf die Couch verlegen.“