Fellnase und Fitness-Studio

Haustiere zwingen nicht nur zur Bewegung. Sie geben dem Leben auch Sinn und Zweck. Studien zeigen: Eine gute Lebensversicherung.

„Viele ältere Menschen blieben fit, weil sie sagen: Meine Katze braucht mich“, erklärt Prof. Dr. Andrea Beetz im Gespräch mit LNGVTY. Die Psychologin ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Beziehung zwischen Mensch und Tier, die seit dem Longevity-Trend ins Blickfeld rückt. Die Gesundheitsfrage lautet: Was passiert mit einem Menschen, wenn er spürt, dass er gebraucht wird?

 

Beetz sieht diesen Effekt besonders bei älteren Menschen. Nach Krankheiten, Verletzungen oder anderen Einschnitten könne es entscheidend sein, ob jemand Verantwortung empfindet. „Wer niemanden hat, für den er wichtig ist, erholt sich oft langsamer und fragt sich: Wozu?“ Ein Tier liefert darauf eine Antwort. Es wartet auf Futter, Bewegung, Zuwendung – auf seinen Menschen.

Haustiere können wichtigen Lebenssinn spenden

Das beweist laut Beetz nicht, dass eine Katze oder ein Hund gesund macht. Die Gesundheitsforschung beschäftigt sich unter Begriffen wie „Purpose in Life“ dennoch ausführlich: Eine große US-Langzeitstudie mit knapp 7.000 Menschen über 50 hat gezeigt: Wer einen ausgeprägten Lebenssinn hatte, lebte in den folgenden Jahren länger. Die Gruppe mit den niedrigsten Werten wies ein deutlich höheres Sterberisiko auf als jene mit den höchsten. Auch diese Studie zeigt einen Zusammenhang, beweist aber nicht, dass Lebenssinn das Leben verlängert. Daten der amerikanischen Health and Retirement Study legen nahe, dass ein starker Lebenssinn bei älteren Menschen das Risiko für schwache Griffkraft und langsames Gehen senkt. 

Ein Haustier kann dabei mehrere Rollen übernehmen: Es ist Sozialpartner, Aufgabe und Strukturgeber zugleich. „Tiere strukturieren den Tag“, sagt Beetz. Der Hund muss raus, die Katze will Futter – meist pünktlich. „Unser Hund starrt uns an und fordert: Gehst du jetzt endlich mit mir Gassi? Aber ich will eigentlich lieber schlafen.“ Was manchmal lästig wirkt, schafft Routinen: Aufstehen, füttern, hinausgehen, zurückkommen. Der Tag bekommt Fixpunkte, die auf das Longevity-Konto einzahlen.

Weniger Einsamkeit im Alter

Eine Untersuchung mit 830 älteren Patienten hat ergeben, dass Tierhalter seltener Einsamkeit empfinden – besonders, wenn sie allein lebten. Eine große englische Langzeitstudie mit über 5.000 Erwachsenen über 50 zeigt ein komplexeres Bild: Tierhaltung und Einsamkeit beeinflussten sich gegenseitig. Manche Menschen schaffen sich ein Tier an, weil sie einsam sind. Eine deutsche Studie bei Hochaltrigen fand geringere Einsamkeitswerte vor allem bei Hundebesitzern, nicht bei allen Tierhaltern.

 

Auch Verantwortung hat ihre Schattenseiten. Beetz kennt ältere Menschen, die wichtige medizinische Eingriffe aufschieben, weil sie nicht wissen, wer ihr Tier versorgt. „Manchmal wirkt sich das negativ aus“, sagt sie. Umgekehrt gibt es Reha-Angebote, bei denen Patienten ihre Tiere mitbringen können. Für manche ist das die Voraussetzung, überhaupt mehrere Wochen in Rehabilitation zu gehen.



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Wenn gesund ungesund wird

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Langzeitstudie zeigt 5 einfache Longevity-Faktoren