Braucht es  eine EU-Richtlinie gegen Longevity-Washing?

Wer Longevity verspricht, muss mehr bieten als Wellness mit neuem Namen. Die Branche kann selbst für Klarheit sorgen: mit nachvollziehbaren Kriterien und Angeboten, die zur Zielgruppe passen.

Mit der im September 2026 in Kraft getreteten Richtlinie (EU) 2024/825, kurz EmpCo, versucht Europa gerade, Verbraucher besser vor Greenwashing und irreführenden Umweltaussagen zu schützen. Unter anderem nimmt die Richtlinie Nachhaltigkeitssiegel ins Visier, die nicht auf einem Zertifizierungssystem beruhen oder von öffentlichen Stellen etabliert wurden.

Natürlich regelt EmpCo weder Hotels noch Longevity. Trotzdem lohnt sich das Gedankenexperiment. Denn in der Hotellerie geschieht mit „Longevity“ gerade etwas, das uns von Begriffen wie „grün“, „nachhaltig“ oder „klimaneutral“ bekannt vorkommt: Ein attraktives Versprechen verbreitet sich schneller als die Einigkeit darüber, was es eigentlich bedeuten soll.

Ein Hotel hat eine Sauna. Massagen. Yoga am Morgen. Smoothies zum Frühstück. Vielleicht eine Kältekammer, Rotlicht und ein paar Nahrungsergänzungsmittel im Spa-Shop. Alles gute Dinge. Aber ist das schon Longevity?

Wenn Wellness ein neues Etikett bekommt

Diese Frage beschäftigt inzwischen auch die Hospitality-Branche selbst. Die Österreichische Hotelvereinigung schreibt, Longevity werde zwischen Biohacking, medizinischen Konzepten und Wellness-Marketing zunehmend „als Etikett verwendet“ – oft ohne klare inhaltliche Abgrenzung. Das internationale Fachmedium Hotel Online beobachtet ebenfalls, dass Hotels Longevity-Sprache über bestehende Wellness-Konzepte legen, obwohl beide Ansätze nicht dasselbe meinen.

Natürlich gehören Bewegung, Schlaf, Ernährung, Regeneration und Stressreduktion zu einem Lebensstil, der gesundes Altern unterstützen kann. Ein gutes Wellnesshotel kann deshalb sehr viel für das Wohlbefinden seiner Gäste tun. Nur folgt daraus nicht automatisch, dass jedes Wellnessangebot ein Longevity-Angebot ist.

Problematisch wird die Sache, wenn mit dem neuen Begriff auch ein neues Wirkversprechen entsteht. Longevity bedeutet mehr als ein angenehmes Wochenende mit anschließendem Bademantel-Frühstück. Der Begriff zielt auf ein langes Leben bei möglichst vielen gesunden Jahren. Wer ihn ernsthaft in ein Hotelkonzept übersetzt, landet deshalb schnell bei Fragen, die über klassische Wellness hinausgehen: Wie gut schlafen Gäste tatsächlich? Wie ruhig und abgedunkelt sind die Zimmer? Welche Bewegungsangebote stehen zur Verfügung und zu welchen Uhrzeiten? Wie wird Ernährung gedacht? Gibt es fundierte Programme zu Stress und Regeneration? Werden Angebote individualisiert? Gibt es medizinische oder diagnostische Kompetenz – sofern damit geworben wird?

Die Fachdebatte verlangt dabei keineswegs, dass jedes Longevity-Hotel zur Privatklinik werden muss. Ein Haus kann sich glaubwürdig auf Schlaf, Bewegung oder Regeneration konzentrieren, ohne Blutanalysen anzubieten. Entscheidend ist weniger die Zahl spektakulärer Treatments als die Frage, ob Anspruch, Kompetenz und tatsächliche Leistung zusammenpassen.

Wer entscheidet eigentlich, was Longevity ist?

„Longevity Hotel“ ist keine geschützte Kategorie. Es gibt keine allgemein verbindliche Definition, keinen vorgeschriebenen Leistungskatalog und keine Institution, die festlegt, ab welchem Punkt ein Wellnesshotel den Begriff verwenden darf. Für Gäste ist damit kaum erkennbar, was hinter dem Wort steckt.

Das eine Haus versteht darunter ein Medical-Spa-Programm mit Diagnostik, ärztlicher Begleitung und personalisierten Interventionen. Das nächste bietet Schlafberatung und hervorragende Trainingsmöglichkeiten. Beim dritten stehen Sauna, Massage und eine Schale Mandeln neben dem Bett.

Alle drei können „Longevity“ auf ihre Website schreiben.

Wir brauchen deshalb keine EU-Richtlinie, wohl aber nachvollziehbare Kriterien.Genau an dieser Stelle setzt LNGVTY an.

Hotels können sich für eine Bewertung und Zertifizierung bewerben. LNGVTY betrachtet dabei acht gewichtete Dimensionen und verdichtet sie zu einem Score. Dazu gehören unter anderem Schlafqualität, Ruhe, Fitness und weitere Faktoren des regenerativen Aufenthalts. Abhängig vom Ergebnis erfolgt eine Einordnung als Featured, Approved oder Certified; für die höchste Stufe liegt die veröffentlichte Schwelle bei 8,2 von 10 Punkten. 

LNGVTY schafft mit seinem Scoring dort Struktur, wo bislang vor allem ein Begriff zirkuliert.



Kai Oppel

Kai Oppel ist Inhaber und Geschäftsführer der Münchner PR-Agentur Scrivo Communications sowie Co-Founder von LNGVTY. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit Kommunikation, Medien und der Frage, wie komplexe Themen verständlich und relevant werden – heute zunehmend auch im Bereich Longevity, Prävention und moderner Gesundheitskultur.

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